Mit dem Feuerzeugtest kannst du in wenigen Sekunden grob erkennen, ob ein Fenster einfach, zweifach oder dreifach verglast ist – und ob eine Wärmeschutzbeschichtung vorhanden sein könnte. Entscheidend sind Anzahl und Farbe der Spiegelbilder in der Scheibe. Den exakten U-Wert oder das Füllgas bestimmt der Test allerdings nicht.
Das Ergebnis in 20 Sekunden
- 1 Doppelreflexion (2 Einzelbilder): meist Einfachverglasung
- 2 Doppelreflexionen (4 Einzelbilder): meist Zweifachverglasung
- 3 Doppelreflexionen (6 Einzelbilder): meist Dreifachverglasung
- Ein Reflex hat eine andere Farbe: Hinweis auf eine Low-E-/Wärmeschutzbeschichtung
Wichtig: Gezählt werden nur die Spiegelbilder im Glas, nicht die echte Flamme vor der Scheibe.
So funktioniert der Feuerzeugtest am Fenster
Jede Glasscheibe besitzt zwei reflektierende Oberflächen. Eine Einfachscheibe erzeugt deshalb typischerweise eine Doppelreflexion (zwei Spiegelbilder), eine Zweifachverglasung zwei Doppelreflexionen (vier Spiegelbilder) und eine Dreifachverglasung drei Doppelreflexionen (sechs Spiegelbilder). Bei beschichtetem Wärmeschutzglas kann eines der Spiegelbilder andersfarbig erscheinen – häufig rötlich, violett, bläulich oder grünlich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Raum abdunkeln: Abends oder vor einem dunklen Hintergrund sind die Reflexe am besten sichtbar.
- Scheibe reinigen: Staub und Schlieren können schwache Spiegelbilder verdecken.
- Lichtquelle nah an die Scheibe halten: Etwa 5 bis 10 Zentimeter Abstand genügen. Das Feuerzeug darf Glas, Dichtung und Rahmen nicht berühren.
- Leicht schräg schauen: Ein Blickwinkel von ungefähr 30 bis 45 Grad trennt die Spiegelbilder optisch voneinander.
- Reflexpaare und Farben vergleichen: Ordne die Einzelbilder zu Doppelreflexionen je Scheibe und notiere auffällige Farbunterschiede.
Sicherheit: Halte offene Flammen von Vorhängen, Papier, Dichtungen und Kindern fern. Nur kurz testen und die Flamme sofort löschen. Zum reinen Zählen der Reflexe funktioniert auch eine kleine LED- oder Smartphone-Leuchte; Farbunterschiede der Beschichtung können damit aber weniger eindeutig sein.
Reflexe richtig auswerten
| Beobachtung | Wahrscheinliche Bedeutung |
|---|---|
| 1 Doppelreflexion (2 Einzelbilder) | Einfachverglasung: die Scheibe erzeugt ein enges Reflexpaar |
| 2 Doppelreflexionen (4 Einzelbilder) | Zweifachverglasung: jede der zwei Scheiben erzeugt ein enges Reflexpaar |
| 3 Doppelreflexionen (6 Einzelbilder) | Dreifachverglasung: jede der drei Scheiben erzeugt ein enges Reflexpaar |
| Ein Reflex weicht farblich ab | Hinweis auf eine metallische Low-E-/Wärmeschutzbeschichtung |
| Reflexe kaum trennbar | Blickwinkel verändern, Raum stärker abdunkeln oder Scheibe reinigen |
Beispiel: Zweifachverglasung mit zwei Doppelreflexionen

Beispiel: Dreifachverglasung mit drei Doppelreflexionen

Was bedeutet ein andersfarbiger Reflex?
Ein andersfarbiger Reflex entsteht meist, weil auf einer Glasoberfläche eine nur wenige Nanometer dünne Schicht aus Metallen oder Metalloxiden liegt. Lichtwellen werden an diesem Schichtsystem je nach Wellenlänge unterschiedlich reflektiert. Deshalb kann eine Flamme dort violett, blau, grünlich, goldfarben, rötlich oder nur etwas dunkler erscheinen. Die Beschichtung selbst ist im Alltag meist nahezu unsichtbar.
- Violett oder blau: ein häufiger Interferenzeffekt moderner Low-E- und Kombinationsbeschichtungen. Der Farbton zeigt eine beschichtete Oberfläche an, verrät aber weder Hersteller noch U-Wert.
- Grün oder türkis: kann von der Beschichtung, vom Eisenanteil des Grundglases oder von der Glasdicke beeinflusst werden. Grün allein beweist deshalb keine bestimmte Funktion.
- Gold, Bronze oder Rot: kommt bei manchen Sonnen- und Kombinationsschutzschichten vor. Auch hier lässt sich aus der Farbe allein nicht ablesen, wie stark der Hitzeschutz ist.
- Grau oder fast farbneutral: hochselektive moderne Schichten sind häufig bewusst neutral ausgelegt. Eine nur schwache Farbabweichung bedeutet daher nicht, dass keine Beschichtung vorhanden ist.
Warum wird Fensterglas beschichtet?
Wärmeschutzbeschichtungen (Low-E) senken die Emissivität der Glasoberfläche: Sie werfen einen großen Teil der langwelligen Wärmestrahlung zurück in den Raum. Dadurch verliert die Verglasung weniger Heizwärme, der Ug-Wert verbessert sich und die innere Scheibenoberfläche bleibt im Winter wärmer.
Sonnenschutzbeschichtungen reflektieren einen Teil der kurzwelligen Sonnenenergie, besonders im nahen Infrarotbereich, nach außen. Das reduziert den Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) und kann sommerliche Überhitzung mindern. Je nach Produkt gelangt dabei auch etwas weniger sichtbares Tageslicht durch die Scheibe.
Selektive Kombinationsbeschichtungen verbinden beide Aufgaben: möglichst viel sichtbares Licht hereinlassen, solare Wärmeeinträge begrenzen und Heizwärme im Raum halten. Farbe und Stärke des Flammenreflexes hängen vom genauen Schichtaufbau, vom Grundglas, vom Blickwinkel und von der Lichtquelle ab. Sie sind deshalb nur ein Hinweis auf die Lage einer Beschichtung. Belastbare Leistungswerte stehen im Scheibenaufbau, im Abstandhalter oder in den Produktunterlagen.

Kann man Argon oder Krypton an der Flammenfarbe erkennen?
Nein. Der Feuerzeugtest zeigt Reflexe an Glasoberflächen und mögliche Beschichtungen. Er weist das Gas im Scheibenzwischenraum nicht nach. Argon, Krypton oder ein Gasverlust lassen sich nur über Produktunterlagen, Kennzeichnungen im Abstandhalter oder geeignete Messtechnik belastbar bestimmen.
Was der Test nicht verrät
- Keinen exakten U-Wert: Rahmen, Abstandhalter, Scheibenabstand, Beschichtung, Gasfüllung und Einbau beeinflussen die Wärmedämmung.
- Keinen sicheren Gasnachweis: Farbige Reflexe stammen von Beschichtungen, nicht vom Argon oder Krypton.
- Keine Aussage über Dichtheit: Beschlagene Scheibenzwischenräume, Zugluft oder beschädigte Dichtungen müssen separat geprüft werden.
- Kein genaues Baujahr: Der Glasaufbau liefert nur einen Anhaltspunkt zur technischen Generation.
Für die energetische Einordnung hilft der Test trotzdem: Die Entwicklung von Einfachglas mit etwa 5 bis 6 W/(m²K) bis zu moderner Dreifachverglasung unter 1,0 W/(m²K) zeigt unser Überblick „Die Entwicklung des U-Werts bei Fenstern“. Wenn du den Wert deines konkreten Dachfensters suchst, lies außerdem „Welchen U-Wert hat mein Dachfenster?“.
Häufige Fehler beim Feuerzeugtest
- Die echte Flamme wird versehentlich mitgezählt.
- Der Raum ist zu hell und schwache Reflexe verschwinden.
- Der Blick erfolgt frontal; dadurch liegen die Spiegelbilder übereinander.
- Eine Farbabweichung wird fälschlich als Gasfüllung interpretiert.
- Das Ergebnis wird mit einem exakten U-Wert verwechselt.
FAQ zum Feuerzeugtest am Fenster
Wie viele Flammen sieht man bei Doppelverglasung?
Typischerweise sind zwei Doppelreflexionen zu sehen – eine je Scheibe und damit insgesamt vier Einzelbilder. Die reale Flamme vor dem Fenster zählt nicht dazu.
Wie viele Reflexe hat Dreifachverglasung?
Bei einer üblichen Dreifachverglasung sind drei Doppelreflexionen zu sehen – insgesamt sechs Einzelbilder. Die beiden Bilder einer Scheibe liegen meist eng beieinander; bei hellem Umgebungslicht können einzelne Reflexe sehr schwach wirken.
Welche Farbe zeigt Wärmeschutzglas?
Ein beschichteter Reflex kann rötlich, violett, bläulich oder grünlich erscheinen. Es gibt keine verlässliche Einheitsfarbe; entscheidend ist die Abweichung gegenüber den anderen Reflexen.
Funktioniert der Test auch ohne Feuerzeug?
Zum Zählen der Glasoberflächen reicht oft eine kleine LED oder die Smartphone-Leuchte. Für die Beurteilung feiner Farbunterschiede ist eine Flamme meist deutlicher – offene Flammen aber nur kurz und mit ausreichend Abstand verwenden.
Ist der Feuerzeugtest bei Verbundglas eindeutig?
Nicht immer. Zusätzliche Folien, Verbundscheiben oder besondere Glasaufbauten können weitere beziehungsweise schwer trennbare Reflexe erzeugen. Im Zweifel sind Abstandhalter-Kennzeichnung und Herstellerunterlagen aussagekräftiger.
Quellen und weiterführende Hinweise
- Verband Fenster + Fassade (VFF): Feuerzeugtest und Fenstertausch
- DIE UMWELTBERATUNG: Fenster mit Reflexionstest prüfen
Grundlagen zum Nachlesen: Was der U-Wert bei Fenstern genau bedeutet, welcher Wert als gut gilt und welche Grenzwerte das Gebäudeenergiegesetz vorschreibt, erklärt unser Überblick.





